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Atmen Sie einmal durch. Dann der Reihe nach.
Die Reihenfolge ist wichtiger als das Tempo: erst die Zahlungswege stoppen, dann die Zugänge sichern, dann anzeigen, dann dokumentieren und die Familie warnen.
Was ist passiert?
Das Wichtigste vorab
Sie sind nicht schuld. Diese Maschen sind darauf gebaut, dass sie funktionieren, und sie treffen Menschen jeden Alters und jeder Bildung. Scham kostet Zeit, und Zeit ist gerade das Einzige, was wirklich zählt. Anrufen, melden, anzeigen. Alles andere kommt später.
Sie haben Geld überwiesen
Je früher die Bank es erfährt, desto besser die Chance. Fangen Sie mit Schritt 1 an, noch bevor Sie weiterlesen.
Rufen Sie jetzt Ihre Bank an.
Nutzen Sie die Nummer auf Ihrer Bankkarte oder in Ihrer Banking-App. Nicht die Nummer aus einer Nachricht oder von einem Anrufer.
Ich bin Opfer eines Betrugs geworden. Ich möchte eine Überweisung stoppen und zurückrufen lassen. Sie wurde heute ausgeführt.
Bereithalten: Betrag, Uhrzeit, Empfängername und Empfänger-IBAN, Ihre Kontonummer.
Außerhalb der Geschäftszeiten: Sperr-Notruf anrufen.116116 anrufen
Rund um die Uhr erreichbar, kostenlos aus dem deutschen Festnetz. Lassen Sie Karten und Onlinebanking sperren, damit keine zweite Zahlung folgt. Aus dem Ausland: +49 116116.
Sichern Sie die Beweise, bevor Sie etwas löschen.
Screenshots von Chat, E-Mail oder Anzeige. Notieren Sie Empfänger-IBAN, Betrag, Uhrzeit und die Telefonnummer, von der angerufen wurde. Sprachnachrichten nicht löschen, den Kontakt noch nicht blockieren.
Erstatten Sie Anzeige.
Bei jeder Polizeidienststelle oder online über die Onlinewache Ihres Bundeslandes. Auch bei kleinen Beträgen und auch beim Versuch, denn erst die Anzeigen machen Serien sichtbar. Bei akuter Gefahr die 110.
Bereithalten: Personalien, Tatzeit, Screenshots, Überweisungsbeleg, Kontodaten der Täterseite.
Warnen Sie Ihr Umfeld.
Täter arbeiten Nummernlisten ab. Wenn es Sie getroffen hat, sind Nachbarn und Verwandte womöglich die Nächsten. Ein Satz in der Familiengruppe genügt.
Vorsicht: die zweite Masche
Wer Sie in den nächsten Tagen anruft und gegen Gebühr "Ihr Geld zurückholen" will, ist der nächste Betrüger. Seriöse Stellen verlangen dafür keine Vorkasse. Diese Rückholmasche zielt gezielt auf Menschen, die schon einmal geschädigt wurden.
Der Sperr-Notruf ist rund um die Uhr erreichbar und stellt Sie zu Ihrer Bank durch. Er sperrt girocard, Kreditkarten, Onlinebanking, die Online-Ausweisfunktion und SIM-Karten.
Bereithalten: Kartennummer oder Kontoverbindung, Name der Bank.
Melden Sie die Buchung Ihrer Bank als nicht autorisiert.
Auf meinem Konto ist eine Zahlung gebucht, die ich nicht veranlasst und nicht freigegeben habe. Ich widerspreche dieser Zahlung und bitte um Erstattung.
Bei einer nicht autorisierten Zahlung muss die Bank den Betrag grundsätzlich unverzüglich erstatten, spätestens bis zum Ende des folgenden Geschäftstags (§ 675u BGB). Bestehen Sie freundlich, aber bestimmt darauf, dass Ihre Meldung schriftlich festgehalten wird.
Prüfen Sie, welche Fristen noch laufen.
Für Lastschriften, Kreditkartenzahlungen und Zahlungsdienste gelten unterschiedliche Fristen. Der Rechner weiter unten auf dieser Seite sagt Ihnen, wie viel Zeit bleibt.
Über die Onlinewache oder bei jeder Dienststelle. Das Aktenzeichen brauchen Sie später, wenn die Bank nachfragt oder wenn Ihre Identität missbraucht wurde.
Wenn die Bank Ihnen grobe Fahrlässigkeit vorwirft: nicht einschüchtern lassen.
Solche Schreiben kommen oft als Standardtext. Die Beweislast dafür, dass Sie grob fahrlässig gehandelt haben, liegt bei der Bank. Die Verbraucherzentrale prüft solche Fälle und hilft weiter.
Die nächsten dreißig Minuten entscheiden, wie viel die Täter noch anrichten können. Die Reihenfolge ist entscheidend: zuerst das E-Mail-Konto, denn wer die Mails kontrolliert, kann fast jedes andere Passwort zurücksetzen.
Ändern Sie zuerst das Passwort Ihres E-Mail-Kontos.
Nicht das des gehackten Dienstes, sondern das der E-Mail-Adresse. Nutzen Sie dafür ein Gerät, dem Sie vertrauen. Neues Passwort: lang, einmalig, nirgendwo sonst verwendet.
Sichern Sie danach das betroffene Konto.
Passwort ändern, Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) einschalten, in den Sicherheitseinstellungen alle unbekannten Geräte und Sitzungen abmelden. Prüfen Sie auch, ob eine fremde Wiederherstellungsadresse oder Telefonnummer hinterlegt wurde. Genau daran halten sich Täter fest.
Kontoauszug, PayPal, hinterlegte Karten, Bestellhistorie im Shop-Konto. Bei Verdacht sofort sperren lassen.
Warnen Sie Ihre Kontakte.
Die Täter schreiben jetzt womöglich in Ihrem Namen an Ihre Familie und Freunde, meistens mit einer Geldbitte. Ein kurzer Hinweis über einen anderen Kanal verhindert den nächsten Schaden.
Beweise sichern und Anzeige erstatten.
Screenshots der fremden Nachrichten, Bestellbestätigungen und Anmeldeprotokolle. Danach Anzeige über die Onlinewache.
Post von unbekannten Firmen und Inkassobüros ernst nehmen, Kontobewegungen zwei Monate lang im Blick behalten, Schufa-Datenkopie anfordern. Mehr dazu im Ablauf Daten herausgegeben.
Sie haben Daten oder eine Ausweiskopie herausgegeben
Es ist noch kein Schaden entstanden, aber jemand hat jetzt Bausteine Ihrer Identität. Ziel der nächsten Schritte: die Türen schließen und eine Spur legen, falls doch etwas passiert.
Ändern Sie betroffene Passwörter, beginnend beim E-Mail-Konto.
Überall dort, wo dasselbe oder ein ähnliches Passwort lag. Zwei-Faktor-Authentifizierung einschalten, wo es sie gibt.
Haben Sie PIN, TAN oder Fernzugriff herausgegeben, rufen Sie sofort Ihre Bank an.116116 anrufen
Bei erteiltem Fernzugriff (AnyDesk, TeamViewer oder ähnlich) gilt der Rechner als kompromittiert: Verbindung trennen, Gerät vom Netz nehmen, Onlinebanking nur noch von einem anderen Gerät nutzen.
Erstatten Sie Anzeige, auch ohne Schaden.
Das ist hier kein Formalismus: Die Strafanzeige mit Aktenzeichen brauchen Sie für den nächsten Schritt und für jeden späteren Streit mit einem Vertragspartner.
Der Eintrag "Verdacht auf Identitätsbetrug" warnt Vertragspartner bei künftigen Anfragen. Wichtig ist die Reihenfolge: erst die Anzeige, dann die Meldung. Eine reine Onlinewache-Bestätigung reicht der Schufa nicht.
Bereithalten: ausgefülltes Formular, lesbare Ausweiskopie, Kopie der Anzeige mit Aktenzeichen.
Beobachten Sie, was ankommt.
Rechnungen, Mahnungen oder Inkassobriefe für Bestellungen, die Sie nie gemacht haben, sind das typische erste Anzeichen. Nicht ignorieren, sondern schriftlich widersprechen und auf die Anzeige verweisen. Die kostenlose Schufa-Datenkopie nach Art. 15 DSGVO zeigt Ihnen, was in Ihrem Namen läuft.
Hier ist die Polizei der erste Anruf, nicht die Bank. Kurz nach der Übergabe sind die Chancen am größten, weil Abholer oft in derselben Gegend weiterarbeiten.
Sagen Sie, dass Sie Opfer eines Schockanrufs oder Betrugs geworden sind und gerade Geld oder Wertsachen übergeben haben. Wann und wo die Übergabe war, gehört in den ersten Satz.
Beschreiben Sie den Abholer so genau wie möglich.
Alter, Größe, Kleidung, Sprache und Akzent, Fahrzeug und Kennzeichen, Richtung, in die er gegangen oder gefahren ist. Schreiben Sie es auf, solange es frisch ist, Erinnerungen verblassen innerhalb von Minuten.
Nichts aufräumen, nichts löschen.
Anrufliste, Zettel mit notierten Namen oder Nummern, Verpackungsmaterial der Übergabe: alles aufheben. Die angezeigte Rufnummer und die genauen Uhrzeiten notieren.
Holen Sie jemanden dazu.
Rufen Sie ein Familienmitglied oder eine Nachbarin an. Nicht nur wegen der Hilfe beim Papierkram: Nach einem Schockanruf steht man unter Schock, und das ist kein guter Zustand, um allein zu bleiben.
Ob die Bilder echt oder mit KI erzeugt sind, ändert nichts an Ihrem Vorgehen und nichts an der Schuldfrage. Die liegt vollständig beim Täter.
Die eiserne Regel
Nicht zahlen. Nicht verhandeln. Nicht antworten, auch nicht empört. Jede Antwort zeigt den Tätern nur, dass die Nummer aktiv ist und der Druck ankommt. Wer zahlt, wird in aller Regel erneut erpresst.
Sichern Sie die Beweise, bevor Sie blockieren.
Screenshots der Nachrichten mit Profilname, Nutzername und Zeitstempel, dazu die Kontonummer oder Wallet-Adresse, an die gezahlt werden soll. Erst danach den Kontakt blockieren und melden.
Erstatten Sie Anzeige.
Erpressung ist eine Straftat, unabhängig davon, wie das Material entstanden ist. Über die Onlinewache oder bei jeder Dienststelle. Bei akuter Bedrohung die 110.
Ist die abgebildete Person unter 18 (oder war sie es bei der Aufnahme): Take It Down des NCMEC. Bei Erwachsenen: StopNCII. Beide Dienste erzeugen den digitalen Fingerabdruck direkt auf Ihrem Gerät, die Aufnahmen selbst werden nicht hochgeladen. Teilnehmende Plattformen entfernen dann Kopien.
Für Jugendliche gibt es zusätzlich die Beratung von JUUUPORT, kostenlos und vertraulich, auch per Chat. Eltern erreichen das Elterntelefon unter 0800 111 0550.
Für Eltern
Wenn Ihr Kind Ihnen davon erzählt, hat es gerade das Schwerste hinter sich. Der erste Satz entscheidet, ob es beim nächsten Mal wieder kommt. Ein guter erster Satz ist: "Gut, dass du es mir sagst. Das regeln wir zusammen." Vorwürfe kommen später nicht, sondern gar nicht.
Wie lange können Sie eine Zahlung noch zurückholen? Tragen Sie das Datum der Buchung ein, der Rechner zeigt Ihnen, welche Wege noch offen sind. Die Eingabe bleibt in Ihrem Browser.
Fortschritt
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