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Das ist die 60-Sekunden-Prüfung aus Kapitel 3, nach der Polizeiregel Stoppen, Hinterfragen, Schützen. Sie prüft nicht die Stimme und nicht das Bild, sondern die Wirklichkeit. Was ist gerade hereingekommen?
Ein Anruf
Schritt 1 von 3 Stoppen (Sekunde 0 bis 10)
"Ich rufe Sie über die Nummer zurück, die ich selbst habe. Auf Wiederhören."
Dann legen Sie auf. Sie bewerten in diesem Schritt noch gar nichts – Sie unterbrechen nur den Druck. Ein Betrüger kann perfekt fälschen, was Sie hören. Aber er kann Sie nicht daran hindern, den Hörer aufzulegen.
Falls Ihnen der Satz nicht liegt, tun es diese genauso:
- Freundlich: "Ich melde mich sofort über meinen eigenen Weg zurück."
- Bestimmt: "Ich entscheide nichts am Telefon und nichts im Chat."
- Knapp: "Auf Wiederhören." – Auflegen ohne Erklärung ist erlaubt, auch bei "Polizei" oder "Bank".
Schritt 2 von 3 Hinterfragen (Sekunde 10 bis 40)
Rufen Sie jetzt selbst zurück – über einen Weg, den Sie schon vorher kannten.
- Bei einer vertrauten Stimme: die Nummer, die in Ihrem Telefon gespeichert ist. Bei Geldbitten zusätzlich das Familienwort abfragen: "Wie lautet unser Familienwort?"
- Bei "Ihrer Bank": die Nummer auf der Rückseite Ihrer Bankkarte oder in der Banking-App, die Sie selbst installiert haben.
- Bei "Polizei" oder "Behörde": die 110 beziehungsweise die Nummer aus dem Telefonbuch oder von der offiziellen Website, die Sie selbst eintippen.
Niemals die Rückruftaste, niemals eine Nummer, die der Anrufer Ihnen genannt hat – dort sitzt im Zweifel der Täter und beantwortet Ihre Fragen geduldig.
Kein Rückruf möglich? Dann der Zweitkanal, den Täter am meisten fürchten: Holen Sie eine zweite Person dazu und erzählen Sie in zwei Sätzen, was gerade passiert ist.
Schritt 3 von 3 Schützen (Sekunde 40 bis 60)
Solange keine Klarheit besteht, passiert: nichts. Keine Überweisung, keine PIN, keine TAN, kein Gutscheinkartencode, keine Wertsachen an einen Boten. Betrug braucht Ihre Mitwirkung – ohne sie ist die beste Fälschung wertlos.
Was hat der Rückruf ergeben?
Es war echt
Gut. Der Rückruf hat 40 Sekunden gekostet und nichts kaputt gemacht. Echte Angehörige und echte Institutionen haben nichts gegen einen Rückruf – eine echte Tochter ist froh, wenn ihre Mutter besonnen bleibt.
Es war Betrug
- Nummer blockieren, nichts weiter erklären.
- Notieren Sie in Ruhe: Uhrzeit, Nummer, Wortlaut. Das ist Gold wert für die Anzeige.
- Anzeige bei jeder Polizeidienststelle oder der Onlinewache Ihres Bundeslandes – auch beim bloßen Versuch.
- Warnen Sie Ihr Umfeld: Sie schützen damit die Nächsten auf der Anrufliste der Täter.
- Ist bereits Geld oder etwas anderes geflossen? Dann jetzt direkt weiter: Notfall-Assistent.
Eine WhatsApp- oder SMS-Nachricht
Schritt 1 von 3 Stoppen (Sekunde 0 bis 10)
"Ich antworte nicht auf die neue Nummer. Ich rufe die alte an."
Sagen Sie sich diesen Satz laut vor – und dann: nicht antworten, das Handy weglegen. Jede Antwort gibt dem Gegenüber neues Material. Das Schweigen gibt ihm nichts.
Wenn Sie doch etwas schreiben wollen, dann nur das:
- Die Kontrollfrage: "Wie lautet unser Familienwort?"
- Die Ankündigung: "Ich rufe dich auf deiner Nummer zurück. Bis gleich."
Schritt 2 von 3 Hinterfragen (Sekunde 10 bis 40)
Rufen Sie die alte, in Ihrem Telefon gespeicherte Nummer an. Meldet sich dort Ihr echtes Kind, ahnungslos beim Abendessen, ist der Fall in zwanzig Sekunden erledigt.
- Die richtige Nummer steht in Ihren Kontakten – nicht in der Nachricht.
- "Handy kaputt, deshalb die neue Nummer" ist genau die Geschichte, mit der die Masche arbeitet. Ein kaputtes Handy macht die alte Mailbox nicht stumm: Anrufen kostet nichts.
- Zögern, Ausflüchte oder ein falsches Familienwort sind ein eindeutiges Signal, niemals ein Grund zur Nachsicht. Ihr echtes Kind nennt das Wort in zwei Sekunden.
Schritt 3 von 3 Schützen (Sekunde 40 bis 60)
Bis der Rückruf Klarheit gebracht hat: keine Überweisung, keine "dringende Rechnung", kein Code, kein Link.
Was hat der Rückruf ergeben?
Es war echt
Gut. Der Anruf hat eine Minute gekostet und nichts kaputt gemacht. In gut eingespielten Familien nennt die anrufende Person das Familienwort im echten Notfall von selbst.
Es war Betrug
- Erst Screenshot machen (Beweis), dann die Nummer blockieren und in der App als Betrug melden.
- Warnen Sie die Person, deren Name missbraucht wurde, und die Familie – dieselbe Nachricht geht gerade an viele.
- Anzeige über die Onlinewache, auch beim Versuch.
- Schon überwiesen? Sofort weiter zum Notfall-Assistenten – jede Minute zählt.
Eine E-Mail
Schritt 1 von 3 Stoppen (Sekunde 0 bis 10)
"Ich klicke nichts an. Ich gehe selbst zu meiner Bank."
Nicht klicken, nichts herunterladen, nicht antworten. Fenster schließen reicht. Eine E-Mail kann heute perfekt aussehen – Logo, Absender, Tonfall. Das alles beweist nichts.
Schritt 2 von 3 Hinterfragen (Sekunde 10 bis 40)
Gehen Sie den Weg, den Sie selbst kontrollieren:
- Tippen Sie die Adresse Ihrer Bank oder des Anbieters selbst in den Browser – oder öffnen Sie die App, die Sie selbst installiert haben.
- Gibt es wirklich ein Problem mit Ihrem Konto oder Ihrer Bestellung, sehen Sie es dort.
- Sehen Sie dort nichts, war die Mail Betrug – egal wie echt sie aussah.
Niemals den Link aus der Mail, niemals die Telefonnummer aus der Mail, niemals den Anhang.
Schritt 3 von 3 Schützen (Sekunde 40 bis 60)
Bis dahin gilt: keine Zugangsdaten eingeben, keine TAN bestätigen, nichts bezahlen.
Was hat der eigene Weg ergeben?
Es war echt
Gut. Dann erledigen Sie das Anliegen gleich dort, wo Sie gerade sind: in der App oder auf der selbst aufgerufenen Website. Die Mail brauchen Sie dafür nicht mehr.
Es war Betrug
- Leiten Sie die Mail an das Phishing-Radar der Verbraucherzentrale weiter: phishing@verbraucherzentrale.nrw. Danach löschen.
- Nichts angeklickt, nichts eingegeben? Dann ist nichts passiert – die Mail allein kann Ihnen nichts.
- Doch etwas eingegeben oder angeklickt? Passwort sofort ändern und weiter zum Notfall-Assistenten (Daten herausgegeben).
Eine Werbung oder ein Video
Schritt 1 von 3 Stoppen (Sekunde 0 bis 10)
"Ein Video ist kein Beweis. Ich prüfe die Quelle, nicht das Gesicht."
Nicht klicken, nichts bestellen, nichts registrieren. Ein Gesicht und eine Stimme lassen sich heute täuschend echt in jedes Video montieren – gerade bei bekannten Persönlichkeiten.
Schritt 2 von 3 Hinterfragen (Sekunde 10 bis 40)
Prüfen Sie über Wege, die Sie selbst wählen:
- Suchen Sie selbst nach dem Produkt- oder Plattformnamen plus "Betrug" oder "Erfahrungen".
- Schauen Sie auf die offiziellen Kanäle der beworbenen Person (selbst aufgerufen): Echte Empfehlungen finden sich dort, gefälschte nicht.
- Bei Shops: der Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale, für Österreich die Watchlist Internet.
Als Faustregel: Prominente empfehlen keine Geldanlagen mit Renditeversprechen und keine Wundermittel in Werbeanzeigen. Diese Masche lebt vom bekannten Gesicht.
Schritt 3 von 3 Schützen (Sekunde 40 bis 60)
Bis Klarheit besteht: kein Kauf, keine Registrierung, keine "kleine Startinvestition" – gerade die kleinen Einstiegsbeträge sind der Köder.
Was hat die Prüfung ergeben?
Es war echt
Gut. Dann kaufen Sie – wenn Sie wollen – über die offizielle Website, die Sie selbst aufgerufen haben, nicht über den Anzeigen-Link.
Es war Betrug
- Anzeige direkt auf der Plattform melden (Melden-Funktion an der Anzeige oder am Video).
- Nichts gezahlt? Dann sind Sie fertig – und eine Warnung im Familienchat schützt die anderen.
- Bereits gezahlt oder Daten eingegeben? Weiter zum Notfall-Assistenten.
Eine Online-Bekanntschaft
Schritt 1 von 3 Stoppen (Sekunde 0 bis 10)
"Ich schicke kein Geld an Menschen, die ich nie getroffen habe."
Dieser Satz gilt unabhängig davon, wie vertraut sich der Kontakt anfühlt und wie lange Sie schon schreiben. Sobald Geld, Gutscheine oder eine "gemeinsame Anlage" ins Spiel kommen: erst einmal nichts tun.
Schritt 2 von 3 Hinterfragen (Sekunde 10 bis 40)
Prüfen Sie die Person, nicht die Geschichte:
- Schlagen Sie einen spontanen Videoanruf vor. Wer über Wochen immer neue Gründe findet, warum das gerade nicht geht, beantwortet die Frage damit selbst.
- Machen Sie die Rückwärts-Bildersuche mit den Profilfotos: Tauchen dieselben Bilder unter anderem Namen auf, ist der Fall klar.
- Und der stärkste Zweitkanal, gerade wenn Gefühle im Spiel sind: Weihen Sie eine zweite Person ein. Wer von außen auf die Situation schaut, steht nicht unter dem aufgebauten Druck und sieht die Masche oft sofort.
Schritt 3 von 3 Schützen (Sekunde 40 bis 60)
Bis Klarheit besteht: kein Geld, keine Gutscheinkarten, keine "Investition", keine intimen Bilder.
Was hat die Prüfung ergeben?
Die Person ist echt
Schön. Dann ändert sich nichts an der Regel: Geld fließt erst, wenn Sie sich persönlich kennen – ein echter Mensch, der Sie mag, versteht das sofort.
Es war Betrug
- Kontakt beenden und blockieren – ohne Abschiedsdiskussion. Vorher Screenshots sichern.
- Profil auf der Plattform melden.
- Sprechen Sie mit jemandem darüber. Auf diese Masche fallen Menschen jeden Alters und jeder Bildung herein – Scham ist unbegründet und kostet nur Zeit.
- Bereits Geld überwiesen? Weiter zum Notfall-Assistenten, auch wenn es sich unangenehm anfühlt. Gerade dann.
Eine Anweisung von Chef oder Kollege
Schritt 1 von 3 Stoppen (Sekunde 0 bis 10)
"Ich bestätige das über unseren üblichen Weg und melde mich gleich zurück."
Dieser Satz ist keine Gehorsamsverweigerung, sondern Berufssorgfalt. "Streng vertraulich, mit niemandem sprechen, sofort ausführen" ist kein Führungsstil – es ist das Muster der Chef-Masche.
Schritt 2 von 3 Hinterfragen (Sekunde 10 bis 40)
Verifizieren Sie über den Kanal, den Sie selbst wählen:
- Rufen Sie die Person auf der bekannten internen Nummer an oder gehen Sie kurz persönlich vorbei.
- Niemals auf die Nachricht antworten und niemals die dort genannte Nummer nutzen – auch dann nicht, wenn Absender und Schreibstil perfekt passen. Beides lässt sich fälschen, inzwischen auch die Stimme im Anruf.
- Bei Zahlungen gilt das Vier-Augen-Prinzip: eine zweite Person einbeziehen, auch wenn "Vertraulichkeit" verlangt wurde. Genau diese Forderung ist das Warnsignal.
Schritt 3 von 3 Schützen (Sekunde 40 bis 60)
Bis zur Bestätigung über den Zweitkanal: keine Überweisung, keine Gutscheinkarten, keine Stammdaten-Änderung an Lieferantenkonten.
Was hat die Rückfrage ergeben?
Es war echt
Gut. Die Rückfrage hat zwei Minuten gekostet, und eine echte Chefin ist über den geprüften Weg nicht verärgert – Betrugsprävention gehört zu Ihrem Job.
Es war Betrug
- Sofort IT-Abteilung und Vorgesetzte informieren – dieselbe Nachricht liegt womöglich in weiteren Postfächern.
- Nachricht als Beweis sichern, nicht löschen.
- Anzeige über die Onlinewache erstatten, gemeinsam mit dem Arbeitgeber.
- Wurde bereits gezahlt? Sofort die Bank anrufen (Rückruf der Überweisung) und weiter zum Notfall-Assistenten.
Warum diese drei Schritte reichen
Die Prüfung ersetzt Erkennen durch Verifizieren. Die Stimme, die Sie anruft, die Nummer, die Ihnen schreibt, die Mail in Ihrem Postfach – all das kann heute gefälscht sein, und zwar so gut, dass Sie es nicht merken. Der Rückruf auf die gespeicherte Nummer, die selbst eingetippte Adresse, die selbst geöffnete App: Das kann kein Betrüger fälschen, denn diesen Weg kontrollieren Sie.
Der Kern der Prüfung stammt aus der polizeilichen Kriminalprävention: die SHS-Regel der Initiative "Sicher Handeln" (Stoppen, Hinterfragen, Schützen). Wie daraus das System dieses Buches wird, steht in Kapitel 3. Das Familienwort aus Kapitel 13 richten Sie in der Codewort-Werkstatt ein.